Diese Simulation kann man ohne Übertreibung als einen Meilenstein in diesem Genre bezeichnen. Man schreibt das Jahr 1994 – die Spielgemeinde zockt noch mit DOS-Programmen auf 486er Computern (den Älteren unter uns noch wohlbekannt), Windows 95 steht zwar vor der Türe, ist aber noch Zukunftsmusik.
In dieser Phase bringt Sierra/Dynamix sein Aces of the Deep auf den Markt – eine U-Boot-Simulation aus deutscher Sicht in der Atlantikschlacht des 2. Weltkrieges. Ausgeliefert wurde auch gleich eine deutschen Version, noch auf 3,5 Zoll-Disketten. Und es war d a s, auf was die Simulationsgemeinde gewartet hatte – ein Volltreffer !
Der Sprung von „ Wolfpack“ zu AOTD war gewaltig, hier erscheint erstmals eine komplett in sich geschlossene U-Boot-Simulation.
Das Spielprinzip
Als deutscher U-Boot-Kommandant durchpflügt man den Atlantik auf der Suche nach seinen Opfern – die englischen Geleitzüge bzw. Schiffe als „ Einzelfahrer“. Alle Elemente des U-Boot-Krieges 1939 – 1945 mit dem Hauptbestandteil der Atlantikschlacht 1940 – 1943 sind enthalten.
Kernstück von AOTD ist hier der spezielle Karrieremodus in Form der
„dynamischen Kampagne“. Beim inoffiziellen Nachfolger „ Silent Hunter 2“ schmerzlich vermisst ! Dynamische Kampagne bedeutet, dass der Karrieremodus keine Aneinanderreihung von festen Einzelmission ist, sondern die Missionen innerhalb der Kampagne werden von der KI unterschiedlich generiert ( eben „dynamisch“ ). Kein Spielablauf ist somit gleich, es entstehen immer unterschiedliche Gegebenheiten – ein entscheidendes Element für unbegrenzten Spielspaß!. Manchmal ist der Atlantik tagelang leer, manchmal trifft man in sehr kurzen Abständen auf Geleitzüge unterschiedlichster Größe. Eben wie es damals auch in der Atlantikschlacht war. In der Karriere durcharbeiten kann man sich von 1939 bis zum Schluß 1945 (wenn man den erlebt!). Der Einstieg ist auch später als 1939 möglich. „ Stirbt“ man in einer Kampagnenmission, ist Ende! Unwiderruflich! Ist eigentlich auch logisch… Das bedeutet besondere Aufmerksamkeit und Konzentration bei jeder Mission, da die gesamte Kampagne bei Scheitern als abgeschlossen gilt, nicht nur die letzte Mission!
Die verschiedenen Kräfteverhältnisse zwischen den deutschen Booten und den Alliierten sind sehr gut im Zeitablauf berücksichtigt, die alliierte Abwehrkraft wächst getreu der historischen Wahrheit, je weiter die Schlacht voranschreitet.
Das Verhalten der Begleiteskorten etc. ist sehr realistisch, die KI setzt die Bewachung der Geleitzüge sehr gut um. Es gibt keine ärgerlichen Programmbugs wie bei Silent Hunter 2, z. B. wild im Kreis kurvende Schiffe, auf der Stelle stehende Zerstörer oder ineinander fahrende Frachter, etc. Alles ist hier bei AOTD sehr „sauber“ umgesetzt worden.
Selbstverständlich sind auch selbst zu erstellende Einzelmissionen möglich (mit vielen Einstelloptionen) oder man wählt einen der vorgegebenen historischen Einsätze.
An Bord des Bootes sind die einzelnen Stationen sehr gut strukturiert, man findet sich sehr schnell zurecht. Zwei Übersichtsmodi stehen zusätzlich zur Verfügung - taktische und strategische Karte. Praktisch an alles wurde gedacht, inklusive der verschiedenen Torpedotypen (u.a. diverse flächenabsuchende FAT’s sowie Zaunkönige). Kommt Gefahr auf, z. B. Angriffe aus der Luft, wird die Zeitbeschleunigung nicht automatisch heruntergesetzt (wie bei Silent Hunter 2 auf 4x), sondern verbleibt in der bisherigen Einstellung. Dies hat natürlich zur Folge, dass man immer die Umgebung z. B. auf der taktischen Karte beobachten muss, um rechtzeitig reagieren zu können. Ansonsten kann das Ende in einigen Sekunden der „Echtzeit“ erfolgen. Dies ist wesentlich realistischer, als wenn durch die plötzliche Verlangsamung der Zeitbeschleunigung vorher eine Warnung erfolgt.
Besonders hervorzuheben wäre noch der Sound und die Sprachausgabe. Fast schon Kult sind die Meldungen „ Rauch am Horizont, Herr Kaleun“, „Torpedo nachgeladen, Herr Kaleun“ (im norddeutschem Dialekt!), „Wasserbomben abgeworfen, Herr Kaleun“ usw. , das satte Torpedo-Einschlagsgeräusch, Sinkgeräusche der torpedierten Tanker (berstende Metallklänge) sowie der Sound beim Anblasen des im Schlick auf Grund liegenden Bootes. Dramatisch ist auch der plötzlich „bebende“ Bildschirm bei nahen Wasserbomben-Explosionen.
Das mitgelieferte Handbuch ist das Beste, was ich an Anleitungen/Begleitmaterial bisher gesehen habe. Enthalten ist ausser der ausführlichen Spielanleitung eine historische Zusammenstellung der Atlantikschlacht (praktisch eine zusätzliche U-Boot-Dokumentation) sowie ein Nachdruck der Original-Planquadrat-Karte der Kriegsmarine!
Das AOTD-Originalprogramm wurde erweitert mit einer „Expansions-Diskette“, hier waren nun auch u. a. der Typ XXI verfügbar sowie Mittelmeer-Einsätze möglich. Kurz darauf kam AOTD auch auf CD-ROM (immer noch als DOS-Programm) mit Online-Handbuch, virtueller U-Boot-Tour sowie einer „ Videotkek“ mit Erzählungen diverser U-Boot-Kommandanten (Kretschmer, Topp, Hess, etc.) in den Handel, alles in allem sehr gut gelungen. Letztendlich erfolgte noch die Umsetzung für das damals neue Betriebssystem Windows 95 als „Command Aces of the Deep“, hier waren aber einige kleinere Bugs vorhanden. Wer das Original-DOS-AOTD auf neueren Rechnern nicht zum Laufen bringt, kann somit immer noch auf diese Win-Version ausweichen.
Leider erfüllte sich der Wunsch vieler Fans nicht, welche auf eine Weiterentwicklung von AOTD mit den neuen Möglichkeiten heutiger Hardware hofften. Wer aber einige Abstriche an der nun logischerweise veralteten Grafikdarstellung in Kauf nehmen kann, ist mit AOTD auch in der heutigen PC-Zeit gut beraten. AOTD ist und bleibt der Meilenstein, an welchem sich auch die zukünftigen U–Boot-Simulationen messen lassen müssen.
Foren:
Oldies
Systemanforderungen (Command Aces of the Deep)
Betriebssystem: Windows 95
Prozessor: Pentium 486/33
Arbeitsspeicher: 8 MB RAM
Festplattenspeicher: 20 MB frei
CD-ROM-Laufwerk: 1fach
Grafikkarte: Grafikkarte SVGA
Soundkarte: Soundblaster oder 100% kompatibel